Konzert mit Martin Pepper

Siesta – in der Ruhe liegt die Kraft – ein musikalischer Gottesdienst

Sulzbach, 11.12.2010

Festhalle Sulzbach – kurz vor dem offiziellen Konzertbeginn: Der „Mann mit der Mütze“ taucht unvermittelt aus dem Dunkel auf, stellt sich wortlos an sein Keyboard und spielt zur Einstimmung für die Zuhörer Improvisationen bekannter internationaler Weihnachtshits. Damit ist auch von Anfang an klar, dass an diesem Abend nicht die große Show mit Lichteffekten und allerlei elektronischen Effekten abgeht, sondern die Zuhörer hineingenommen werden sollen in die Stille des Advents und der Vorweihnachtszeit. Und so braucht es nicht mehr als einen elektronischen Kontrabass, ein weiteres Keyboard – gespielt von Martin Peppers Tochter Jennifer, sowie Schlagwerk wie Cajón und Schlagzeug, um die Zuhörer in die Rhythmik Südamerikas zu entführen.
Der ehemalige Pastor aus Berlin, der mit seiner Musik zu einem der bekanntesten deutschen christlichen Liedermacher avancierte, versteht sein musikalisches Handwerk von der Pike auf. Das Fundament dazu hat er neben dem Studium der Theologie auch in einem Musikstudium gelegt. So kommt seine Art der Liedinterpretationen souverän und ruhig zum Publikum, geprägt nicht nur von der Kraft der Klänge und Rhythmen, sondern auch in der Kraft der poetischen Liedtexte, die auf diese Weise Menschen berühren. Wie wichtig Martin Pepper der Inhalt biblischer Botschaft ist zeigt sich auch daran, dass die Texte seiner Lieder auf eine Leinwand projiziert werden. So haben die Besucher die Möglichkeit, nicht nur den Text mitzulesen, sondern können auch einfacher in den Gesang einstimmen. Darüber hinaus bindet Martin Pepper die Zuhörer aktiv in die rhythmische Gestaltung seiner Lieder ein – Mit-Klatschen ist angesagt. Fiesta ist solch ein Lied, dessen Groove sich aus Synkopen, ungewohnt gegen den Grundschlag des Taktes zusammengesetzt, erst nach etwas gemeinsamer Übung entwickelt.
Das Motto des Abends: „Siesta – in der Ruhe liegt die Kraft“, wird im gleichnamigen Lied interpretiert - ausdrucksstark, nachdenklich und sprachlich brillant beschreibt Pepper poetisch, wie die Seele Ruhe finden kann. Die Begleitmusik tritt sanft zurück, Worte gewinnen damit Kraft und so wird „adventliche Stimmung auf südamerikanisch“ geschaffen – eine ganz andere, ungewöhnliche Art, vorweihnachtlicher Hektik zu entfliehen. Es könnte sein, dass mancher der Zuhörer zu der Erkenntnis gelangt, die im darauf folgenden Lied ausdrückt wird:“ Esta bueno“ – es ist gut, todo bueno – es ist wirklich alles gut.
Martin Pepper ist der Meister der leisen Töne, die ihre Spannung im Zusammenspiel mit Worten entwickeln und so christliche Werte mittels musikalischer Botschaften transportieren. Dass er seine Mission nicht nur auf diese Weise auf der Bühne weitersagt, sondern auch im Alltag tatkräftig umsetzt, beweist sein Engagement für das weltweit tätige Kinderhilfswerk „Compassion“. Er selbst schreibt: „Als Künstler mit einer gewachsenen öffentlichen Wahrnehmung ist es mir wichtig, diese nicht für meine Konzertarbeit zu nutzen, sondern mein Publikum auch zu Taten der Barmherzigkeit gegenüber den Ärmsten dieser Welt zu motivieren, besonders im Blick auf die Kinder.“ So ist es ihm auch in diesem Abend in Sulzbach ein Anliegen, auf dieses Hilfswerk hinzuweisen. Mit einem Kurzvideo über eines seiner Projekte in Äthiopien erzählt er über die Situation notleidender Kinder in der Dritten Welt und fordert dazu auf, selbst mitzuhelfen, z.B. durch Übernahme von Patenschaften.
Harmonisch fügt sich der Inhalt des Filmes in den musikalischen Gesamtablauf ein, weil es Martin Pepper darum geht, Menschen, wo auch immer sie leben und in welcher Situation auch immer sie sind, konkrete Hilfe anzubieten. Und das eben nicht nur mit seinen Liedern, sondern auch mit der Versorgung notleidender Kinder.
Der letzte Teil des Abends beginnt mit der Uraufführung des Liedes „Stets vor Augen“, komponiert und gesungen von Jennifer Pepper.
Danach entwickelt sich die Komposition „Havanna olė“ zu einem der Höhepunkte des Abends. Ein Lied, in dem Martin Pepper die Situation der Stadt Havanna als Abbild christlicher Gemeinde beschreibt: eine Mischung aus Pracht und Zerfall, Häuser mal Palast, mal Stein, die Wände oft ramponiert, vergleichbar mit dem menschlichen Dasein, wo Substanz auch oft bröckelt. Aber Martin Pepper lässt seine Zuhörer nicht mit Hoffnungslosigkeit zurück, sondern er singt im Refrain von der biblischen Botschaft, die von den „lebendigen Steinen in Christus, dem Eckstein im Hause des Herrn“ spricht und von „Gemeinde als Ort für Gemeinschaft, Vergebung, für Freude, Musik und Gesang“. Einmal mehr verspüren die Zuhörer die Kraft der nachdenklichen, bildhaften Sprache und so geht ein stimmungsvoller Abend – Martin Pepper sagt: ein musikalischer Gottesdienst –mit der Komposition „Der Herr segne Dich“, zu Ende. In der Ruhe liegt die Kraft: das ist eine Botschaft, von der Martin Pepper nicht nur singt, sondern die er für sein Leben verinnerlicht hat.